Klaus Selle
Angeregt von der Allgegenwart des Wortes »Urbanität« in den Welten des Städtebaus und der Stadtentwicklung hatten wir uns auf die Suche nach dessen Bedeutung gemacht. Eine Recherche im Netz und das Blättern in Publikationen wissenschaftlicher Herkunft sollte uns dabei helfen.
Nach diesen Sondierungen stellte sich Verwirrung ein: Offensichtlich herrscht weitgehend Uneinigkeit. Viele verstehen Verschiedenes. Wenn es denn überhaupt einen harten Bedeutungskern gibt, so ist der entweder banal (urban = städtisch) oder er bezieht sich auf spezifische, mit dem Stadtbürgertum assoziierte Verhaltensstile, weist also keine Bezüge zu den Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten der raumbezogenen Stadtplanung auf.
Was bleibt ist, mit Musil zu sprechen, »feierliche Unschärfe«: ein in hohem Maße zustimmungsfähig erscheinender Begriff, dessen Inhalt unklar bleibt.
Nach diesen Sondierungen in wissenschaftlichen Gefilden richten sich die Überlegungen in der zweiten Folge der Fortsetzungsgeschichte auf Alltagswelten. Dabei zeigte sich, dass der Alltagsgebrauch des Wortes »Urbanität« wenig über seinen Gegenstand, viel hingegen über diejenigen aussagt, die es nutzen. Denn: »Urbanität« wird »gefühlt« und folglich gibt es so viele verschiedene Ausprägungen von »Urbanität« wie es Menschen, Gruppen oder Milieus in den Städten gibt.
Beim Umgang mit »Urbanität« geht es aber nicht nur um Worte, Vorstellungen und Bilder, sondern auch um handfeste Interessen und die damit verbundenen Konflikte: Zum einen ist »Urbanität« auch eine Werbebotschaft, mit der die Immobilienwirtschaft und das Stadtmarketing zahlungsfähige Haushalte anlocken wollen – vorzugsweise in die hochpreisigen innerstädtischen Wohnlagen. Zum anderen können sich die unterschiedlichen Vorstellungen vom attraktiven städtischen Leben im Raum aneinander reiben, miteinander konkurrieren und zu Konflikten und Verdrängungsprozessen führen. Die Frage, wessen »Urbanität«, wessen Vorstellungen vom »attraktiven Ort« in den dynamischen Prozessen der Stadtentwicklung die Oberhand behält, hat also auch erhebliche praktische Bedeutung.
Hier schließt die dritte Folge der Überlegungen an – insbesondere mit theoretischen Zwischenschritten. Sie sollen dabei helfen, die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Stadt und »Urbanität« nicht als Geschmacksfrage misszuverstehen. Zugleich gilt es, Hinweise auf die Dynamik von Stadtveränderungen zu geben, die dann Ausgangspunkte für praktische und begriffliche Folgerungen im abschließenden vierten Teil der Fortsetzungsgeschichte sein können.
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